Feuerrituale für die freie Trauung: Come on baby, light my fire

Aktualisiert: 21. Sept.
Feuer funktioniert erstaunlich gut bei Hochzeiten. Es spendet Licht, Wärme und sieht meistens auch noch ziemlich gut aus. Falls ihr eurem ersten Kuss am Lagerfeuer hattet, euch bei Kerzenschein kennengelernt habt oder schlicht seit dem ersten Abend Feuer und Flamme füreinander seid, drängt sich das Thema fast schon auf.
In Ermangelung eines offenen Kaminfeuers sitze ich beim Schreiben allerdings vor einer Duftkerze. Man muss nehmen, was man kriegen kann.
Bevor wir jetzt anfangen zu zündeln, eine Sache vorweg: Bei Trauritualen gilt für mich alles kann, nichts muss.
Ich suche mit meinen Paaren kein Ritual aus, weil bei einer freien Trauung eben „irgendwas Symbolisches“ passieren sollte. Erst möchte ich wissen, wer ihr seid und was zu eurer Geschichte gehört. Daraus entstehen Ideen.
Manchmal wissen meine Paare längst, was sie möchten. Manchmal kommen wir gemeinsam auf etwas, auf das vorher keiner von uns gekommen wäre. Gelegentlich stellen wir fest, dass überhaupt kein Ritual die beste Lösung ist.
Falls Feuer allerdings zu euch passt: Come on baby, light my fire.
1. Candle in the wind, the all-time classic: Hochzeitskerze
Sie ist der Klassiker unter den Feuerritualen: die Hochzeitskerze.
Kerzen begleiten Hochzeiten und andere feierliche Anlässe schon sehr lange. Das hat vermutlich auch einen ziemlich einfachen Grund: Eine Flamme schafft sofort Atmosphäre.
Bei einer freien Trauung könnt ihr der Kerze eure ganz eigene Bedeutung geben. Vielleicht erinnert sie euch an eine familiäre Tradition. Vielleicht entzündet ihr sie gemeinsam. Vielleicht übernehmen eure Eltern oder Kinder einen Teil des Rituals.
Tante Herta und Oma Gundula, die sich eigentlich eine kirchliche Trauung gewünscht hätten, könnten sich darüber möglicherweise ebenfalls freuen.
Zur Hochzeitskerze habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.
2. Feuerschale
Bei diesem Ritual schreibt ihr Wünsche für eure gemeinsame Zukunft auf kleine Zettel und verbrennt sie anschließend in einer Feuerschale.
Das lässt sich auch mit euren Gästen verbinden. Familie und Freunde können Wünsche für euch aufschreiben, die ihr später gemeinsam dem Feuer übergebt.
Ich würde allerdings vorher überlegen, ob ihr die Zettel lesen möchtet.
Man weiß schließlich nie, was Onkel Klaus unter einem angemessenen Wunsch für die Hochzeitsnacht versteht.
Bei einer Feuerschale gilt selbstverständlich: Erst mit der Location klären, ob offenes Feuer überhaupt erlaubt ist. Gerade im Sommer kann sich die Antwort darauf ziemlich schnell ändern.

3. Ring of fire
Keine Sorge. Ich stelle euch nicht wie Johnny Cash mitten in einen brennenden Feuerring.
Die Idee ist wesentlich friedlicher.
Ihr steht während eines Teils der Zeremonie innerhalb eines Kreises, der euren gemeinsamen Raum symbolisiert. Diesen Kreis können Blumen oder andere Dinge markieren. Beim Thema Feuer bieten sich Kerzen oder Windlichter an.
Die können beispielsweise eure Trauzeugen vor Beginn entzünden. Das sieht schön aus und die Trauzeugen haben eine Aufgabe. Schließlich sollen sie nicht nur hervorragend angezogen in der ersten Reihe sitzen.
Wie viel Symbolik ihr diesem Kreis geben möchtet, entscheiden wir gemeinsam. Er kann für eure Verbindung stehen oder einfach einen besonderen Ort innerhalb der Zeremonie markieren.

4. Völlig losgelöst von der Erde: Wish Papers
Jetzt wird es physikalisch.
Bei sogenannten Flying Wish Papers schreibt ihr einen Wunsch auf ein Stück Papier, rollt es zusammen, stellt es auf eine geeignete feuerfeste Unterlage und entzündet es. Durch die aufsteigende warme Luft hebt das abgebrannte Papier schließlich ab.
Das ist ungefähr die Hochzeitsversion der Teebeutelrakete.
Hier kommt allerdings mein innerer Sicherheitsbeauftragter zum Vorschein: bitte draußen, nur unter geeigneten Bedingungen und nur dort, wo es erlaubt ist.
Die Flugbahn dieser kleinen Dinger ist nämlich nicht unbedingt berechenbar. Onkel Heinz' Toupet sollte nach Möglichkeit nicht Bestandteil des Rituals werden.
5. Wunderkerzen
Kinder lieben sie. Erwachsene eigentlich auch.
Wunderkerzen funktionieren wunderbar beim Auszug oder später am Abend und sehen auf Fotos häufig großartig aus.
Direkt neben Brautkleidern, Schleiern, trockenem Blumenschmuck oder kleinen Kindern wäre ich allerdings zurückhaltend. Die Dinger heißen zwar Wunderkerzen, die Funken halten sich trotzdem nicht an romantische Hochzeitsregeln.
Falls ihr sie einsetzen möchtet, planen wir lieber vorher, wann, wo und von wem sie angezündet werden.

6. Bengalisches Feuer: Instagram vs. Realität
Ich verstehe vollkommen, warum Menschen Bengalfeuer auf Hochzeitsfotos sehen und denken: WOW.
Sieht spektakulär aus.
In der Realität reden wir allerdings über Pyrotechnik mit erheblicher Hitze, Rauch und entsprechenden Sicherheitsanforderungen.
Wer schon einmal im Fußballstadion in der Nähe einer solchen Fackel stand, hat möglicherweise eine Vorstellung davon, warum ich sie nicht als kleines DIY-Trauritual empfehlen würde.
Für mich fällt das eindeutig in die Kategorie: Nur professionell geplant und nur dort, wo es ausdrücklich erlaubt ist.

7. Feuerwerk
Beim Feuerwerk scheiden sich bekanntlich die Geister.
Die einen finden es großartig, die anderen denken sofort an Tiere, Lärm und die Frage, ob das wirklich sein muss.
Falls Feuerwerk zu eurer Hochzeit gehört, würde ich es als eigenen Programmpunkt betrachten und professionell organisieren lassen. Location, Genehmigungen und Brandschutz müssen vorher geklärt sein.
Für eine freie Trauung selbst braucht es das aus meiner Sicht nicht. Ein guter Kuss funktioniert auch ohne Explosion im Hintergrund.

Bevor ihr Feuer und Flamme seid … Jetzt kommt der unromantische Teil.
Feuer bleibt Feuer. Deshalb gilt bei all diesen Ideen: Klärt zuerst mit eurer Location, was überhaupt erlaubt ist.
Bei einer trockenen Sommerhochzeit kann eine Idee, die im Januar wunderbar klang, im Juli vollkommen ungeeignet sein. Kerzen funktionieren draußen bei starkem Wind womöglich überhaupt nicht. Offene Flammen können in Innenräumen untersagt sein.
Wir brauchen deshalb immer eine Variante, die zu Ort, Wetter und Situation passt.
Ein Ritual verliert übrigens nichts von seiner Bedeutung, nur weil wir aus Sicherheitsgründen eine andere Lösung wählen.
Brauchen wir überhaupt ein Trauritual?
Nein.
Ich schreibe das ganz bewusst, weil sich rund um freie Trauungen manchmal der Eindruck entwickelt hat, man müsse Sand zusammenschütten, Bäume pflanzen, Knoten binden oder irgendetwas anzünden.
Müsst ihr nicht.
Falls ein Ritual zu euch und eurer Geschichte passt, kann es ein wunderschöner Bestandteil eurer Trauung werden. Falls wir keines finden, das sich nach euch anfühlt, lassen wir es.
So einfach ist das.
Mehr Ideen findet ihr auch in meinen Beiträgen zum Sandritual und zum Handfasting.
LIGHT ME UP
Ihr seid Feuer und Flamme für eine freie Trauung? Dann schreibt mir und verratet mir euren Wunschtermin und Hochzeitsort.
Ob wir bei eurer Trauung tatsächlich etwas anzünden, können wir später klären.
Herzliche GrüßeMarie-Christine
Marie-Christine





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