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Hochzeitskerze

Autorenbild: Marie-Christine
Marie-Christine
26. Nov. 2020
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Die Hochzeitskerze ist quasi die Grand Dame unter den symbolischen Handlungen einer Trauung, bei denen Feuer zum Einsatz kommt. Man kennt sie aus kirchlichen Hochzeiten, längst hat sie auch ihren Weg in freie Trauungen gefunden.


An der Hochzeitskerze scheiden sich, ähnlich wie beim Sandritual, ein bisschen die Geister von uns Trauredner:innen. Ich bin bei der Ritualauswahl meiner Brautpaare ziemlich entspannt. Erst einmal möchte ich wissen, wen ich eigentlich vor mir habe.

Was verbindet euch? Was trägt eure Beziehung? Was hat euch geprägt? Welche Menschen spielen in eurem Leben eine Rolle? Wie stellt ihr euch eure freie Trauung vor? Gibt es Dinge, die ihr unbedingt dabeihaben möchtet – oder auf gar keinen Fall?

Erst danach mache ich Vorschläge für symbolische Handlungen, die zu euch passen könnten.

Braucht eine freie Trauung ein Ritual? Nein.

Kann eine symbolische Handlung einen richtig schönen Moment schaffen, wenn sie zu euch und eurer Geschichte passt? Absolut.

In diesem Sinne hoffe ich, dass euch bei der Planung das eine oder andere Licht aufgeht.

Nach dieser phänomenalen Überleitung kommen wir zu unserer Grand Dame der Stunde: der Hochzeitskerze.

Woher kommt die Hochzeitskerze?

Einen einzigen, sauber belegbaren Ursprung der Hochzeitskerze gibt es nicht. Licht und Feuer haben in Religionen und Kulturen seit sehr langer Zeit eine starke symbolische Bedeutung. Sie stehen unter anderem für Leben, Orientierung, Hoffnung, Schutz und das Göttliche.

Jetzt kommt kurz die Kunsthistorikerin in mir durch.

Licht spielt auch in der christlichen Architektur und Liturgie eine besondere Rolle. Viele historische Kirchen wurden so ausgerichtet, dass der Chor beziehungsweise der Altarbereich nach Osten weist. Der Sonnenaufgang und das Licht aus dem Osten wurden im Christentum mit Christus und der Auferstehung verbunden.

Kerzen tragen diese Lichtsymbolik in die Liturgie hinein. Die Osterkerze ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel dafür.

Auch bei Hochzeiten entwickelte sich die Kerze zu einem Symbol, dem verschiedene Bedeutungen zugeschrieben wurden: Licht und Wärme für den gemeinsamen Weg, Segen für das Paar oder auch Schutz vor Unheil.

So viel zur Symbolik.

Jetzt verlassen wir kurz die Kunstgeschichte und kommen zu der wesentlich praktischeren Frage:

Was machen wir mit dem Ding eigentlich bei einer freien Trauung?


Fragen rund um die Hochzeitskerze

Wie kann eine Hochzeitskerze in die freie Trauung eingebunden werden?

Das Schöne an einer freien Trauung ist: Wir müssen uns nicht an einen vorgegebenen liturgischen Ablauf halten.

Die Kerze kann schon vor Beginn der Zeremonie stehen. Sie kann beim Einzug nach vorne gebracht werden. Ihr könnt sie selbst entzünden oder diese Aufgabe einem Menschen geben, der euch wichtig ist.

Genau da wird die Hochzeitskerze für mich interessant.

Denn die Frage ist weniger:

„Wie macht man das traditionell?“

Viel spannender finde ich:

„Wer soll diesen Moment mit euch teilen und warum?“


Wer entzündet die Hochzeitskerze?

Ihr könnt das natürlich selbst machen.

Schön finde ich es auch, Eltern, Geschwister, Trauzeug:innen oder andere wichtige Menschen einzubeziehen. Gerade wenn ihr jemanden gerne aktiv in der Zeremonie dabeihättet, aber eine fünfminütige Rede vielleicht nicht die beste Idee wäre, kann das Entzünden der Kerze ein sehr stimmiger Moment sein.

Mein persönlicher Favorit sind häufig die Eltern.

Sie haben euch beide – auf sehr unterschiedliche Weise – bis zu diesem Punkt begleitet. Wenn sie gemeinsam das Licht für den nächsten Abschnitt eures Lebens entzünden, kann daraus ein sehr schöner Moment entstehen, ohne dass wir dafür eine komplizierte symbolische Choreografie brauchen.

Dazu kann ein kurzer Text, ein Gedicht oder ein persönlicher Wunsch gesprochen werden.

Das bekannte Gedicht „Die Hochzeitskerze spricht“ darf selbstverständlich ebenfalls vorkommen.

Ich persönlich würde wahrscheinlich etwas anderes auswählen.

Aber hey: Es ist eure Hochzeit.


Wann wird die Hochzeitskerze angezündet?

Auch hier gilt bei einer freien Trauung: Es gibt keinen vorgeschriebenen Zeitpunkt.

Ich mag zwei Varianten besonders gerne.

Die Kerze kann relativ früh in der Zeremonie entzündet werden. Dann markiert sie gewissermaßen den Beginn und kann während der gesamten Trauung brennen.

Sie kann auch später kommen, beispielsweise bevor wir uns dem Ja-Wort und dem Ringtausch nähern. Dann bekommt sie innerhalb der Dramaturgie noch einmal ein anderes Gewicht.

Welche Variante besser funktioniert, hängt vom restlichen Ablauf ab.

Eine Kerze nur deshalb irgendwo zwischen zwei Programmpunkte zu schieben, weil „man bei einer Hochzeit halt noch ein Ritual braucht“, würde ich eher lassen.


Wie soll die Hochzeitskerze aussehen?

So, wie sie euch gefällt.

Ihr könnt Namen und Hochzeitsdatum darauf setzen, ein eigenes Motiv verwenden oder sie sehr schlicht halten. Vielleicht gibt es ein Symbol, das für euch eine Bedeutung hat. Vielleicht mögt ihr einfach eine schöne Kerze.

Auch persönliche Dinge können einfließen. Ein Band aus einem Familienbesitz, ein kleines Schmuckstück oder ein Motiv, das mit eurer Geschichte verbunden ist, kann die Kerze zu eurem Gegenstand machen.

Dabei würde ich allerdings nicht versuchen, die komplette Beziehung auf eine Kerze zu kleben.

Manchmal reicht ein schönes Objekt vollkommen aus.


Wer trägt die Hochzeitskerze?

Auch hierfür gibt es keinen festgelegten Ablauf. Ihr entscheidet, ob ein Familienmitglied, ein Trauzeuge oder doch ein Blumenkind (falls ihr welche habt) die Hochzeitskerze beim Einzug die Kerze nach vorne zum Trautisch trägt. Natürlich ist es auch möglich, dass ihr die Kerze bereits vorne auf dem Trautisch stehen habt. Das übernehme ich gerne für euch.

An dieser Stelle ein heißer Tipp: Ein Windlicht beugt dem Erlöschen der Kerze vor. Gerade bei einer Trauung im Freien macht das Sinn.Denkt also bei eurer Planung daran oder beauftragt jemanden damit eines zu beschaffen.


Muss die Hochzeitskerze beim Einzug getragen werden?

Nein.

Wenn ihr möchtet, kann ein Familienmitglied, ein Trauzeuge, eine Trauzeugin oder auch ein Kind die Kerze beim Einzug nach vorne bringen.

Sie kann genauso gut bereits am Trauplatz stehen.

Bei kleinen Kindern würde ich persönlich allerdings überlegen, ob eine große Kerze unbedingt das Objekt sein muss, das sie feierlich durch die Gegend tragen sollen. Es gibt schließlich genügend andere Jobs für Blumenkinder und Ringträger.


Kleiner Tipp für Trauungen im Freien

Wind und Kerzen sind keine besonders zuverlässige Beziehung.

Wenn eure Hochzeitskerze während einer Outdoor-Trauung tatsächlich brennen soll, plant einen vernünftigen Windschutz ein und klärt mit eurer Location, was dort erlaubt ist.

Es wäre schade, wenn aus eurem symbolischen Licht der Liebe eine 45-minütige Wiederanzündungszeremonie wird.

Mehr Ideen rund um Feuer bei der freien Trauung findet ihr übrigens in meinem Beitrag zu Feuerritualen.


Kann man die Gäste einbeziehen?

Ja – und gerade am Abend oder bei einer Winterhochzeit kann das wunderschön aussehen.

Von der Hochzeitskerze aus kann das Licht beispielsweise an weitere Kerzen weitergegeben werden. So entsteht nach und nach ein Lichtermeer unter euren Gästen.

Hier würde ich vorher überlegen, ob es zur Location und zur Größe der Gesellschaft passt. Bei 100 Gästen bedeutet „Wir geben jetzt mal eben das Licht weiter“ nämlich etwas anderes als bei einer kleinen Zeremonie mit 20 Menschen.

Die Idee soll euch einen besonderen Moment schenken und nicht zur logistischen Hauptaufgabe eurer Trauung werden.


Was passiert mit der Hochzeitskerze nach der Trauung?

Das ist einer der Gründe, warum ich die Hochzeitskerze eigentlich ganz charmant finde:

Sie verschwindet nach der Zeremonie nicht zwangsläufig in irgendeiner Ritualkiste.

Ihr könnt sie später auf eurem Hochzeitstisch aufstellen und danach mit nach Hause nehmen.

Manche Paare zünden ihre Hochzeitskerze am Hochzeitstag wieder an. Andere holen sie zu besonderen Anlässen hervor.

Die Vorstellung, sie nach einem Streit anzuzünden, gehört ebenfalls zu den Erzählungen rund um die Hochzeitskerze.

Ob man in dem Moment wirklich denkt:

„Schatzi, bevor wir uns weiter über die Spülmaschine streiten, hole ich kurz unsere Hochzeitskerze“,

lasse ich jetzt einmal dahingestellt.

Ich mag trotzdem den Gedanken dahinter.

Da steht später ein Gegenstand bei euch zu Hause, der mit einem ganz konkreten Moment verbunden ist. Mit Menschen, die dabei waren. Mit dem, was ihr euch an diesem Tag gesagt habt.

Das kann mehr wert sein als das Ritual selbst.


Brauchen wir eine Hochzeitskerze für unsere freie Trauung?

Nö.

Wenn ihr Kerzen kitschig findet, nehmt keine.

Wenn ihr keine Lust auf ein Trauritual habt, brauchen wir keines.

Wenn die Hochzeitskerze aber eine Bedeutung für euch hat, ihr damit jemanden einbeziehen möchtet oder euch die Vorstellung gefällt, dieses Licht später wieder anzuzünden, dann können wir daraus einen Moment entwickeln, der tatsächlich zu euch gehört.

Genau darum geht es für mich bei einer freien Trauung.

Nicht darum, möglichst viele Hochzeitstraditionen unterzubringen.

Es geht darum, herauszufinden, was für euch Sinn ergibt.

Wenn ihr noch nach anderen Möglichkeiten sucht, schaut auch bei meinen Beiträgen über das Sandritual, Handfasting oder meine Feuerrituale vorbei.



ZU DIR SAGE ICH JA


Ihr plant eure freie Trauung und möchtet eine Zeremonie, die wirklich etwas mit euch zu tun hat?

Dann erzählt mir, wann und wo ihr heiratet.

Ich freue mich darauf, euch kennenzulernen.


xx,Marie-Christine



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