Tie the knot

Aktualisiert: vor 4 Tagen
Handfasting bei der freien Trauung
Spätestens seit Robb Stark und Talisa in Game of Thrones ihre Hände miteinander verbinden, dürfte das Handfasting auch Menschen ein Begriff sein, die sich bislang eher wenig mit historischen Hochzeitsritualen beschäftigt haben. Dazu kommen Outlander, Braveheart und ungefähr alles, was Schottland, wallende Gewänder und dramatische Landschaften zu bieten hat.
Kein Wunder also, dass das Handfasting inzwischen zu den beliebtesten Ritualen bei freien Trauungen gehört.
Dabei werden die Hände des Brautpaares mit Bändern oder Kordeln miteinander verbunden. Das Bild dahinter versteht man auch ohne lange Erklärung: Zwei Menschen verbinden ihr Leben miteinander.
Daher kommt übrigens auch der englische Ausdruck „to tie the knot“ für „heiraten“.
Wobei wir bei der historischen Herleitung gleich noch ein bisschen genauer hinschauen müssen.

Was ist Handfasting?
Beim Handfasting legt man ein oder mehrere Bänder um eure miteinander verbundenen Hände. Je nach Variante werden sie anschließend so gelöst, dass dabei ein Knoten entsteht, den ihr als Erinnerung an eure Trauung behalten könnt.
Das Ritual lässt sich sehr unterschiedlich gestalten.
Ihr könnt nur ein Band verwenden. Mehrere Menschen können jeweils ein Band um eure Hände legen. Die Bänder können unterschiedliche Bedeutungen haben oder aus Stoffen bestehen, mit denen ihr etwas verbindet.
Genau das macht Handfasting für freie Trauungen interessant.
Wir können daraus ein Ritual machen, das tatsächlich etwas mit euch zu tun hat.
Oder wir lassen es bleiben.
Auch das ist bei einer freien Trauung vollkommen legitim.
Ist Handfasting wirklich ein uraltes keltisches Hochzeitsritual?
Hier muss die Kunsthistorikerin in mir kurz die Party unterbrechen.
Im Internet liest man sehr häufig, Handfasting sei ein uraltes keltisches Hochzeitsritual, teilweise werden erstaunlich konkrete Geschichten überliefert: Paare seien zunächst für ein Jahr und einen Tag miteinander verbunden worden und hätten danach entschieden, ob sie wirklich heiraten möchten.
Klingt hervorragend.
Ist historisch nur leider nicht so eindeutig.
Der Begriff handfasting lässt sich im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Großbritannien nachweisen und bezeichnete Formen eines Eheversprechens beziehungsweise einer Verlobung. Dass unsere heutige Handfasting-Zeremonie mit dekorativen Bändern genauso von den alten Kelten praktiziert wurde, lässt sich daraus nicht ableiten.
Das heutige Ritual verbindet historische Motive mit späteren Traditionen und moderner Zeremoniengestaltung.
Ich finde, das macht es nicht weniger schön.
Wir müssen ihm keine 9.000 Jahre alte Geschichte verpassen, damit ein Knoten eine ziemlich passende Metapher für eine Verbindung zwischen zwei Menschen ist.
Wie läuft Handfasting bei einer freien Trauung ab?
Bevor wir anfangen, erkläre ich euren Gästen kurz, was passiert und warum ihr euch für dieses Ritual entschieden habt.
Dann reicht ihr euch die Hände.
Die Bänder werden über beziehungsweise um eure Hände gelegt. Das kann ich übernehmen, ihr könnt es selbst machen oder wir beziehen Menschen ein, die euch wichtig sind.
Anschließend lösen wir eure Hände so aus den Bändern, dass ein Knoten entsteht.
Tie the knot.
Da ist er.
Je nachdem, wie wir eure Zeremonie aufgebaut haben, kann das Handfasting beispielsweise vor dem Ja-Wort, rund um eure persönlichen Eheversprechen oder vor dem Ringtausch stattfinden.
Wo es dramaturgisch am besten sitzt, schauen wir uns bei der Planung gemeinsam an.
Wer legt die Bänder um unsere Hände?
Das kann ich machen.
Spannender kann es allerdings sein, diesen Moment zu nutzen, um eure Herzensmenschen einzubeziehen.
Eure Eltern könnten jeweils ein Band hinzufügen. Eure Geschwister. Trauzeug:innen. Kinder. Freunde.
Vielleicht sagt jeder Mensch dabei einen kurzen Wunsch für euch.
Das funktioniert besonders schön, wenn die Personen wirklich eine Bedeutung für euch haben.
Bei zwölf Menschen mit jeweils einem dreiminütigen Lebensrat wird aus einem Ritual allerdings schnell eine eigene Veranstaltung.
Auch hier gilt: Wir müssen nicht jeden Menschen beschäftigen, nur weil er bei der Hochzeit anwesend ist.
Welche Bänder eignen sich für Handfasting?
Im Grunde alles, was sich vernünftig um eure Hände legen und anschließend wieder lösen lässt.
Kordeln, Stoffbänder, bestickte Bänder, Tartan oder unterschiedliche Materialien lassen sich miteinander kombinieren.
Besonders schön finde ich Materialien, die bereits eine Geschichte haben.
Auf der Hochzeit meiner Cousine hat meine Tante beispielsweise Stoffe aus der Familie gesammelt und daraus einzelne Bänder gefertigt.
So etwas bekommt sofort eine andere Bedeutung als drei Bänder, die am Mittwoch vor der Hochzeit noch schnell passend zum Farbkonzept bestellt wurden.
Ihr könnt Stoff aus einem Kleidungsstück verwenden, ein altes Tuch einarbeiten oder kleine Schmuckstücke und Anhänger befestigen.
Wer Blumen integrieren möchte, kann auch mit der Floristik sprechen. Welche Bedeutung bestimmten Blumen traditionell zugeschrieben wird, habe ich übrigens in meinem Beitrag zur Blumensymbolik gesammelt.
Wie viele Bänder brauchen wir?
So viele, wie für eure Variante Sinn ergeben.
Es gibt keine magische Zahl, die eine Ehe haltbarer macht.
Ein einziges Band kann vollkommen ausreichen. Mehrere Bänder sind interessant, wenn verschiedene Menschen beteiligt werden oder jedes Band für etwas Bestimmtes steht.
Bevor wir also überlegen, ob es drei, fünf oder sieben sein müssen, würde ich lieber fragen:
Was sollen die Bänder für euch bedeuten?
Dann ergibt sich die Anzahl meistens von selbst.
Welche Farben sollten die Bänder haben?
Auch hier seid ihr frei.
Ihr könnt die Farben eurer Hochzeit aufgreifen, eure Lieblingsfarben wählen oder jedem Band eine eigene Bedeutung geben.
Gerade wenn andere Menschen die Bänder um eure Hände legen, kann daraus eine schöne Verbindung entstehen:
Eine Person wählt beispielsweise ein Band und verbindet damit einen Wunsch für eure gemeinsame Zukunft.
Das kann sehr persönlich werden, ohne dass wir daraus eine halbstündige Zeremonie machen müssen.
Ihr könnt natürlich auch sagen:
Das grüne Band ist grün, weil wir Grün schön finden.
Vollkommen ausreichende Begründung.

Welche Bänder können für das Handfasting verwendet werden?
Bei der Zeremonie können verschiedene Bindematerialien verwendet werden. Üblich sind Weinreben, Bänder, gedrehte Seile, geflochtene Seile, monogrammierte oder bestickte Tücher, schottische Tartans oder eine Kombination mehrerer dieser Materialien. Wenn ihr die Zeremonie um eine weitere Symbolebene erweitern wollt, so könnt Ihr auch Stoffstreifen aus Kleidungsstücken verwenden, die für euch eine Bedeutung haben oder vielleicht einem geliebten Menschen gehören/gehörten. So war das beispielsweise auf der Hochzeit meiner Cousine. Meine Tante hat Stoffe aus der Familie angefragt und daraus wunderschöne, einzelene Bänder gedreht. Natürlich könnt ihr die Bänder auch entsprechend dekorieren und Perlen, Glücksbringer oder Schmuck einarbeiten. Eurer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!! Für einen Look, der sowohl organisch, als auch symbolträchtig ist, könnt ihr euren Floristen bitten euch entsprechende Blumen in das Band einzuarbeiten. Wer hier mehr wissen möchte, dem sei mein Blogartikel zu dem Thema Blumensymbolik ans Herz gelegt.
Wie lang sollten die Bänder sein?
Sie müssen lang genug sein, damit sie bequem um eure Hände gelegt werden können und anschließend noch genügend Material für den Knoten bleibt.
Statt euch hier eine vermeintlich verbindliche Zentimeterzahl zu geben, würde ich die geplante Bindetechnik vorher einmal ausprobieren.
Das klingt banal.
Ist aber wesentlich angenehmer, als während der Trauung festzustellen, dass unser wunderschönes Familienband leider ungefähr 30 Zentimeter zu kurz ist.
Müssen wir danach zusammengebunden bleiben?
Nein.
Bitte geht nach der Zeremonie wieder eurer Wege.
Die Geschichte, dass Paare nach einem historischen Handfasting bis Mitternacht oder noch länger aneinandergebunden bleiben mussten, begegnet einem immer wieder. Für eure freie Trauung ist das jedenfalls keine Tradition, die wir wiederbeleben müssen.
Spätestens beim ersten Toilettengang verliert das Konzept deutlich an Romantik.
Den entstandenen Knoten könnt ihr aufbewahren.
Einrahmen, in eine Erinnerungsbox legen, später wieder hervorholen – macht damit, was euch gefällt.
Brauchen wir zusätzlich noch Ringe?
Wenn ihr Ringe tauschen möchtet: natürlich.
Handfasting kann den Ringtausch ergänzen. Es kann genauso gut für sich stehen.
Die Idee, das Ritual sei ursprünglich entstanden, weil Menschen sich keine Ringe leisten konnten, liest man zwar häufig. Ich würde daraus allerdings keine historische Tatsache machen.
Für eure Zeremonie ist ohnehin interessanter, was die beiden Symbole heute für euch bedeuten.
Ist Handfasting etwas für uns?
Vielleicht.
Wenn ihr die Symbolik mögt, wichtige Menschen beteiligen wollt oder Materialien habt, die eine besondere Geschichte tragen, kann daraus ein sehr persönlicher Moment entstehen.
Wenn ihr beim Gedanken daran bereits denkt:
„Marie-Christine, bitte bind uns bei unserer Hochzeit nicht zusammen“,
haben wir ebenfalls eine Antwort.
Eine freie Trauung braucht kein Handfasting.
Sie braucht auch keine Hochzeitskerze, kein Sandritual und keine symbolische Handlung, die ihr nur deshalb auswählt, weil sie auf Pinterest gut aussieht.
Wenn ein Ritual zu euch passt, bauen wir es ein.
Falls ihr noch ein bisschen schauen möchtet, findet ihr hier meine Beiträge zur Hochzeitskerze, zum Sandritual und zu Feuerritualen
Schatz, Handfasting klingt nach uns!
Ihr plant eure freie Trauung und habt Lust auf Handfasting – oder noch überhaupt keine Ahnung, welche Form von Zeremonie zu euch passt?
Dann erzählt mir, wann und wo ihr heiratet.
Ich freue mich darauf, euch kennenzulernen und bin gespannt auf eure Love Tale.
xx,Marie-Christine




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